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1. Rudolstadt- Moskau

2. Woronesch / Lipezk

3. Woronesch / Rudolstadt


 



Rudolstadt- Moskau



Nico und ich starten Nachts Richtung Berlin. Von dort ging unser Flieger nach Riga. Der Umweg über die lettische Hauptstadt macht Sinn, da die Flugverbindung dank Billigfliegers (22€/ Pers.) sehr günstig sind. Einziger Eintrag im Reisetagebuch: ”Wir haben bestimmt alles vergessen!”

In Riga gelandet, darf ich feststellen, dass eine meiner Schwarzbierflaschen zerbrochen ist. In Woronesch wollten wir unsere Gastgeber nämlich mal thüringisch bekochen und für einen Mutzbraten braucht man halt Schwarzbier. Nun ja, ich riech jetzt jedenfalls wie ne wandelnde Brauerei und meine Klamotten haben alles aufgesaugt. - Prima!!

Im Rigaer Kino schockt Nico das Publikum als er laut zu schnarchen beginnt. Ich wollte ihn ja schnell wecken jedoch sein Schlaf war fest.

Der Zug nach Moskau ist NICHT ZU KALT. Angenehme 40°C verdankten wir einer unausstellbaren Heizung, die sehr offensichtlich mit min. 30°C minus rechnete und sich nicht auf eine Unterforderung von lediglich 0°C Außentemperatur einließ. - Unser Visa beginnt am 19.1. Null Uhr. Als wir zwei Stunden früher die Grenze passieren, lässt eine kleine “Spende” die Uhren der russ. Grenzer etwas vorgehen. - Durak, ein tolles russ. Kartenspiel, hilft uns Anschluss bei unseren Mitreisenden zu finden und so haben wir viel Spaß und Gelegenheit ein bisschen was von unseren russ. Sprachrudimenten herauszukramen.

In Moskau holt uns Sascha ab, eine gute Bekannte von mir die uns auch einlud. Sie ist unser guter Engel in Russland und zeigt uns das Herz ihres Landes: Den Roten Platz. Hier ist es einfach wunderschön und auch wenn ich oft in schwärmen gerate- dieses Fleckchen Erde ist wirklich herausragend.

Moskau ist eine recht teure Stadt, so dass wir unsere Ernährung auf Imbissbudenkost umstellen müssen. Die Verkäufer sind allerdings arg abweisend und versuchen jeden potentiellen Kunden schon durch angsteinflößende Blicke zu vertreiben. Fasst man sich jedoch ein Herz und wagt einen Kaufversuch wird man auch mit der gesamten Lustlosigkeit und Langsamkeit belohnt, die man sich nur in jahrelangen Demotivationskursen aneignen kann.... “Ein Schuft wer an einer Imbissbude was zu Essen begehrt!!!)

Einer netten Moskauer Familie, bei der ich schon einmal wohnen durfte, bringen wir Jagertee mit. Pawel weigert sich hartnäckig den Schnaps mit heißen Wasser aufzugießen. Er will das “gute Zeug nicht verderben” und trinkt es kalt und unverdünnt, dabei ist er voll des Lobes.

Wir werden zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, die kurzerhand ne Woche vorgezogen wurde weil wir halt heut Abend schon wieder fahren müssen. Da wir kein Geschenk habe beschließen wir einen Salat zu machen. Die Preise im Supermarkt lassen die Wahl auf Kartoffelsalat fallen. Während wir einkaufen werden wir ständig nach den Rezept gefragt, was wir nicht haben: Wir bereiten alles “frei Schnauze” nach verfügbaren Zutaten zu. Die Zubereitung wird arg skeptisch beäugt, jedoch das Ergebnis beseitigt alle Zweifel: 5kg restlos aufgefutterter Salat sprechen für sich. ... Nun wollen Alle das Rezept dafür ;-)

Sascha ist unterwegs um Fahrkarten zu kaufen und verspätet sich rückwärts, so das wir gezwungen sind allein zum Bahnhof aufzubrechen. Wiederholte Kommunikationsversuche scheitern am Handynetz und an unseren mangelhaften Russisch. Das Chaos bewirkt jedoch, dass wir uns in Moskau mehrmals verfehlen. Letztendlich schaffen wir es uns am Bahnhof (russ. Bahnhöfe sind gigantisch!) zu treffen lediglich unser Zug ist halt 3 Minuten früher abgefahren. Trotzdem sind wir froh wieder im Besitz unserer Pässe (hatte Sascha für Ticketkaufen dabei), Geld und Saschas ;-) sind. - Im letzten Zug finden sich noch 3 Plätze in der dritten Klasse. Prima!! Also folgen 12 Stunden in einem überfüllten Abteil.

Im Abteil finden wir wieder “Durak-Willige” und als wir für unsere Biers ein Maßkrug (Gastgeschenk) aus dem Rucksack holen, mutiert unser Abteil schnell zu der “Inoffiziellen Partymeile” im Zug. Mehr und mehr Leute schauen vorbei und erfreuen sich an unseren offensichtlich sehr lustigen Russisch. Erst gegen halb Vier komm ich etwas zum Dösen während für Nico noch kein Ende in Sicht ist.



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Woronesch/ Lipezk



In Woronesch gehen wir auf einen Wochenmarkt. Hier kann man alle möglichen Tiere (Schwein bis Huhn, Zierfisch bis Karpfen, Hamster bis Ziervögel, Hund bis Katze, Schildkröten bis Wasserflöhe, ...), Textilien, Haushalts- und Metallwaren, Futtermittel, ländlicher Erzeugnisse, Autos, Bücher und CDs, und und und kaufen. So stelle ich mir einen Jahrmarkt vor. In Deutschland sucht man so etwas vergebens.

Zitat aus Reisetagebuch: “Irgendwie scheint hier jeder in Russland eine Phobie vor Fotoapparaten zu haben. Überall verschwinden die Leute oder werden arg barsch (mehr als normal). ... Überhaupt scheint die russ. Eigenschaftskombination: Unfreundlichkeit, Nichtzuständigkeit, Phlegmatismus und Demotivation direkt mit der Anordnung der Person in Raum und Zeit zusammen zu hängen. Russen hinter Theken (Laden-, Büro-, Kneipen-) weisen diese Spezifikation auf, während alle persönlichen Bekannten einen mit Freundlichkeit und überbordender Hilfsbereitschaft geradezu zu erdrücken drohen.”

Unter den kritisch ungläubigen Blicken Saschas Mutter bereiten wir die 4kg Fleisch vor. Dann kommen Saschas Brüder zu einem kleinen Umtrunk. Die zwei Wodkaflaschen beunruhigen uns nicht so sehr. Aber das Tempo der Vernichtung derer spottet jeder Beschreibung: Nach 10 Minuten war die erste Flasche bereits geleert. Nun gab es kein Zurück mehr: Die frühe Alkoholkonsumphase “Erst mal langsam machen!” wurde glatt übersprungen und es ging direkt zu Phase “Ich kann Alles”... was so nicht korrekt war wie sich herausstellte ;-) Jedenfalls hatten die Russen dann die prima Idee doch noch mal Nachschub zu holen, den sie - weiß der Geier woher- auch schnell organisierten. Für meine Konstitution war das dann doch etwas zu viel des Guten und ich trat ein in Morpheus Reich. Als ich am nächsten Morgen Morpheus’ Fänge abschüttelte, fühlte ich mich zwar recht müde aber sonst ohne jede Beschwerden. - Mir klangen noch immer die panischen Beschwörungsversuche aller Russen in den Ohren doch ja kein Bier zum Wodka zu trinken, da dies den absoluten Untergang heraufbeschwören würde... Ist schon komisch: Vor einem Bier haben die mehr Angst als vor einem Liter Wodka.

Am nächsten Tag bereiten wir wir unseren Mutzbraten. Fleisch wird richtig gut lediglich die Soße wird etwas kräftig, da sie doch ein wenig eingebrannt war. Mit den Klößen hatten wir weniger Erfolg. Irgendwie gelang es uns nicht die Kloßmasse ordentlich formbar zu kriegen. Nun ja: Hiermit aufrichtige Anerkennung an alle fähigen Menschen, welche diese Kunst beherrschen... Bei uns gab's Brot dazu.

An unserem “Kulturtag” wird mir richtig schlecht. Ich habe keine Ahnung was meinen, eigentlich sehr robusten, Magen so rumdrehte. Jedenfalls fällt Theater und Ballet aus. Abends schaffe ich es schlussendlich ne halbe Banane “drinne” zu behalten. Nach 14 Stunden unruhigen Schlafes geht es mir wieder besser: Ich denke an den blöden Spruch:” Selbst die beste Krankheit taucht nix!” - Wie wahr!

Am 13.1. stoßen wir Mitternacht auf das “alte” Neue Jahr an. Nico hatte ne Flasche Sekt gekauft und wir philosophieren über verschiedene Weihnachts- und Sylvester/ Neujahrsbräuche in Deutschland und Russland. Besonders die Idee mit Holz& Kohle für unartige Kinder gefällt den Russen.

In Lipezk haben wir uns Abends/ Nachts in eine Disco begeben. Sascha und ihre Freundinnen waren arg geschockt als wir uns nicht augenblicklich auf die Tanzfläche begaben (wie sie es taten) sondern erst ein Bier trinken wollten. Sie befürchteten wir würden uns gnadenlos ausradieren, wie es viele Russen dort machten. Viele können einfach kein Mittelmaß finden: schwarz oder weiß, eins oder null, nüchtern oder sternhagelvoll.
Überall in Russland sind unzählige Spielautomaten und Kasinos zu finden. Die Spielsucht unglaublich vieler Leute hier ist unglaublich. Stundenlanges stehen vor Automaten zum Münzen einwerfen. Hier werden ganze Vermögen verspielt.



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Woronesch/ Rudolstadt



Auf dem Woronescher Markt ging Sascha mit Nico ne Jacke raussuchen und ich allein wollte Fotos machen. Auf einem guten Blickpunkt packte ich meine Kamera aus und wurde prompt von der Miliz abgeführt. Nach x Türen und Gängen wurde ich im Keller den Kommandanten vorgeführt. Nun war mein bisschen Russisch gefordert. Woher ich käme, warum ich fotografierte, was mein Beruf ist, wo ich wohnte, ... 1000 Fragen. Offensichtlich war mein Bluff ich arbeitete für eine Zeitung glaubhaft- er wurde deutlich freundlicher. Ein kleiner Scherz über das rote Telefon (Sind Sie ein Freund von Putin und Bush??) auf seinem Schreibtisch brach das Eis und wir unterhielten uns etwas. Als ich zum vereinbarten Treffpunkt kam sah ich Nico schon von weiten fotografieren... Er blieb unbehelligt und wir gingen.

Abends/nachts von 23.00 bis 04.30 in Disco gewesen. Auf einer der drei Tanzflächen wurde (hauptsächlich russ.) Rockmusik gespielt, hier hielt ich deutlich besser aus als bei der undefinierbaren Bum-Bum- Mucke der anderen Dancefloors. Die Russen sind alle total tanzverrückt. Man sieht kaum mal jemand rum sitzen alle ständig am tanzen, jeder noch so kleine freie Platz (egal wie weit von Tanzfläche entfernt) wird genutzt.

Ich Zug Richtung Moskau verlangen wir nur einmal Bettzeug um Geld zu sparen (1,20€), entgeisterte Blicke der Schaffnerin. Angekommen in Moskau werden wir gleich mal von Polizei kontrolliert. Natürlich stimmt wieder mal irgendwas mit Visa nicht. Schnell ist klar, dass kleine Geschenke hier helfen können. Wir können den Umfang des Kleinkredits von 200$ auf ca. 20€ drücken. Trotzdem sind wir jetzt geldmäßig recht klamm, da wir nicht noch mal abheben wollten.

Um das Kleingeld für ein Wertschließfach zu bekommen, wollte ich einen 100 Rubel Schein einwechseln. Die Klofrau benötigt dafür allerdings Passnummer , Geburtsort, Anschrift in Deutschland und Russland, Unglaublich!!
Dieses Mal konnten wir in den Kreml hinein und ihn besichtigen. Leider war das Wetter sehr ungünstig zum fotografieren aber es war sehr interessant. Besonders die vielen Kirchen im Kreml sind beeindruckend. In einer Kathedrale sang ein Männerchor- beeindruckend.

Zurück zum Zug fragte ich bereits nach den ersten zwei Sätzen die Schaffnerin ob das ein lettischen Zug wäre. Sie bejahte erstaunt und wollte wissen wie ich darauf käme. Die Antwort war einfach: Alle waren freundlicher und lächelten einander an. Erst hier wurde mir bewusst was im öffentliche Leben (! im privaten sieht das ganz anders aus!) Russland stets fehlt: Lachende/ lächelnde Gesichter... Traurig aber wahr.

In Rigaer Innenstadt tolles Kellerrestaurant gefunden. Schaschlik wird hier in der Wirtsstube auf Holzkohle gegrillt. Lecker! Innenstadt Rigas wunderschön. Alles nagelneu renoviert. Viele Kirchen und alte Gebäude mit hohen, spitzen, schlanken Türmen.
Wir kaufen 100g Wodkabecher. Wie kleine Joghurtbecher sind diese oben mit Metallfolie geschlossen. Sieht sehr eigenartig aus und die Verkäuferin hält uns wohl für arg unzurechnungsfähig als wir ne größere Menge ordern. - Schönes Mitbringsel.

Nachdem wir auf dem Flughafen unser letztes bisschen Geld verfuttert haben, geht's in den Flieger und zwei Stunden später sind wir zu Hause - naja, zumindest erst mal in Deutschland!

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