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In die Wüste und zurück

 

Nach einigen Tagen im quirligen Marrakesch wollen wir in die Wüste. Etwas mehr Ruhe und Sonne als im verregneten Marrakesch, darauf freuen wir uns. Im Bus wurde unsere Hoffnung je zerstört: Offensichtlich hatten wir einen sehr religiösen Busfahrer, jedenfalls startete er umgehend eine Koran - Rezitierung (sechs Stunden ohne Pause) über die Musikanlage. Die Lautstärke war unglaublich, vermutlich würden dafür in Deutschland Discotheken wegen Lärm geschlossen. Dumm war die Idee, sich etwas göttlichen Beistand zu sichern, auf diesen Straßen aber nicht. Um in die östlichen Wüstengebiete Marokkos zu gelangen, muss nämlich der Hohe Atlas überquert werden. Dieses wilde Gebirge ist fast vegetationslos und nur in den Tälern finden sich manchmal kleine, aber teilweise sehr malerische Oasen. Ein Großteil der Menschen hier lebt traditionell vom Handel und von Reisenden. Schon seit Jahrtausenden wird auf diesen uralten Karawanenwegen gereist und heutzutage ersetzen zunehmend Touristen die traditionellen Karawanen.

Über Ouarzazate  reisen wir weiter nach Merzouga, das am Rande der großen Sahara liegt. Von hier aus sind es nur wenige Kilometer bis Algerien, aber die Grenzen sind seit Jahrzehnten geschlossen, außerdem toben momentan sowieso Proteste im Nachbarland und so bleiben wir in Marokko. Riesige ausgedehnte Sandwüsten gibt es in Marokko kaum, aber für eine kleine „Schnuppertour“ reicht es dann doch. Wir handeln mit einem Einheimischen stundenlang, bis wir den Preis auf ca. 1/3 gedrückt haben. (Das ständige Handeln ist Anfangs meist ganz lustig, kostet aber täglich viele Stunden und irgendwann ist es einfach nur noch nervig. Unterlässt man es aber, zahlt man Mondscheinpreise.) Es sind auch noch einige Tschechen mit uns zusammen unterwegs, denen eiskalt das Doppelte berechnet wurde.

Früher brachen gewaltige Karawanen mit hunderten Kamelen von Merzouga auf, um die Sahara zu durchqueren. Hier war der letzte Vorposten des arabischen Kulturkreises, jenseits der Sahara liegt Schwarzafrika. Bis vor ein paar Jahren stand noch ein Schild in Merzouga: „52 Tage bis Timbuktu“ und zeigte mitten in die Wüste. Das war uns dann aber doch zu weit ;-), wir wollten größere Touren später in Ägypten und Libyen unternehmen. Trotzdem wollten wir wenigstens einmal auch die extreme Nachtkälte in der Wüste erleben und starteten nun im Januar zu einem Zweitages Ausflug

Da ich noch nie auf einem Kamel saß, und auch sonst kein sonderlich begeisterter Reiter bin, hatte ich doch Respekt vor den großen Tieren. Wegen ihrer stetig mahlenden riesigen Kiefern, ihren absonderlichen Gluckergeräuschen und einschüchternden Brüllen war ich ganz froh als ich AUF dem Kamel saß…außer Reichweite ;-) Einen richtigen Sattel gab es nicht, aber ein robustes Gestell mit Haltegriff war auf dem Rücken der Tiere geschnallt – nicht komfortabel, aber vermutlich zuverlässig. Als ich nun hoch oben auf meinem Reittier saß und es in eher gemächlichem Karawanentempo losging, war ich froh nicht bis Timbuktu zu müssen. Es schwankt zwar beträchtlich, sonders wenn es Dünenabwärts geht, von der vielzitierten „Seekrankheit“ spürte ich jedoch nichts. Mir machte die ungewohnte Sitzhaltung und mein offensichtlich nicht reitertaugliches Sitzfleisch mehr zu schaffen. Jedenfalls war ich froh als wir nach einigen Stunden ein Zeltlager erreichten und ich meine Füße weder in den Sand setzen konnte. Die ersten Schritte waren noch etwas staksig und unbeholfen, aber schnell waren die Beine wieder ordentlich durchblutet und ich erkundete erst mal ein wenig die Umgebung: Die Zelte standen in Mitten der Dünen und es war später Nachmittag mit herrlichen, weichen Abendlicht. Da ich bei dem Ritt hierher auf dem Kamelrücken schlecht fotografieren konnte, habe ich mich auf das Betrachten und Erleben der Wüste beschränkt. Nun rannte ich, begeistert von der Schönheit der Sanddünen, der Weite und des blauen Himmels, von Sandberg zu Sandberg um diese Schönheit auch in Fotos festzuhalten.

Je weiter die Sonne dem Horizont entgegen sank, desto länger wurden die Schatten und intensiver die Farben. Kleine Strukturen im Sand wurden erst durch die Schatten der tief stehenden Sonne sichtbar und was tagsüber als glatte Fläche schien, enthüllte jetzt seine vielfältig gemusterte Oberfläche. Als die Sonne jedoch endgültig hinter dem Horizont verschwand, wurde es erstaunlich schnell finstere Nacht und kalt. Wüstennächte sind für uns Europäer eindrucksvoll dunkel, da es kein Streulicht irgendwelcher Städte gibt, welches bei uns den Himmel niemals wirklich dunkel werden lässt. Umso beeindruckender die Sterne am Himmel: es sind so unglaublich viel mehr, als man am „hellen“ Nachthimmel in Deutschland sehen kann. Gegen den totalschwarzen Nachthimmel der Wüste heben sich selbst weniger helle Sterne deutlich ab. Der Himmel wirkt wie ein schwarzes lichtdichtes Zelt mit Unmengen feinster strahlender Löcher. Aufgrund der klaren Luft scheinen die großen Sterne so nah, als könnte man sie von der nächsten Düne problemlos vom Himmel pflücken. Wirklich lange bewundern kann  man den herrlichen Himmel aber kaum, weil es unglaublich schnell sehr kalt geworden ist.

Kaum waren wir aus der Wüste zurück, wurden wir schneller als uns lieb war mit den neuen Entwicklungen in Arabien konfrontiert. Nachdem in Tunesien und Algerien schon einige Zeit Unruhen herrschten und wir diese Länder notgedrungen von unserer Reiseroute streichen mussten, begann es nun auch in Ägypten zu rumoren. Als auch erste Demonstrationen in Marokko gemeldet wurden, war dies für uns das Zeichen unsere lang herbeigesehnte Arabienreise schweren Herzens abzubrechen. Eine Tour in unserem Sinne, als völlig unabhängige Reisende Land und Leute kennenlernen, war nun leider nicht mehr denkbar.

Wir fuhren zurück nach Deutschland. Innerhalb weniger Tage suchten wir uns ein neues Reiseziel. Viele Ziele standen auf unsere Wunschliste und auch wenn wir der unmöglich gewordenen Arabienreise doch noch ziemlich nachtrauerten, so ist es doch ziemlich einzigartig noch circa vier Monate Zeit für eine spontane Reise zur Verfügung zu haben.

Mittelamerika, Japan, Kanada, Brasilien, Südostasien, Neuseeland, Patagonien und viele andere fantastische Reiseziele galt es gegeneinander abzuwägen…und zwar möglichst schnell. Inzwischen sind wir schon lange wieder unterwegs, wo genau wir nun sind, wird beim nächsten Mal verraten!

 

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