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22 Nach einigen Tagen Aufenthalt in der früheren Inkahauptstadt Cusco wollen wir auf den Spuren der Inkas wandern. Entlang des Camino del Inca (Inkaweg) geht es bis zur Ruinenstätte Machu Picchu, dem Wahrzeichen Perus. Das Profil des 50 Kilometer langen Bergpfads weist viele Stei- gungen auf, drei große Pässe sind zu bezwingen und Höhen von 4.200 Metern über dem Meeres- spiegel zu überwinden. Vor mehr als 500 Jahren angelegt, hat sich der „Camino del Inca“, ein Teil des legendären Wegenetzwerkes der Inkas, heute zum meistbegangenen Weg der Anden entwickelt. Überwältigende Ausblicke in die wilde Bergwelt, allgegenwärtige Zeugnisse der grandiosen Inka- kultur und der artenreiche, stimmungsvolle Ne- belwald machen den Weg zum unvergesslichen Erlebnis. Umgeben von vergletscherten Gipfeln steigt man aus dem relativ warmen Tal des hei- ligen Urubamba Flusses hinauf bis zum „Pass der toten Frau“. Die Übernachtung sorgt für kalte Füße, denn nach Sonnenuntergang herrscht auf 4.200 Metern Höhe eisiger Frost. Ein Abstieg von mehr als tausend Höhenmetern, überwiegend auf von den Inkas errichteten Stufen, fordert Knie und Waden. Neben dem ungetrübten Naturerleb- nis sorgt die persönliche Herausforderung für den nötigen Anreiz, die schwierige Stecke zu be- wältigen. Nach Tagen ständiger Selbstüberwin- dung erreichen wir die frühere Inkastadt Machu Picchu. Ich bin stolz, mir den fantastischen An- blick der gigantischen Ruinenanlagen im Sonnen- aufgang „inkagleich“ erarbeitet zu haben. Machu Picchu gehört zum UNESCO-Welt- kulturerbe und liegt terrassenartig auf einem Bergsporn. Dutzende Steingebäude zeugen vom hohen technischen und handwerklichen Können ihrer Erbauer. Zu den Bauwerken zählt auch ein Tempelturm, der auf einem heiligen Felsen er- richtet wurde. Auch der Sonnenstein steht hier. An ihm war, den Legenden der Inkas zufolge, die Sonne angebunden. So war sie gezwungen, jeden Morgen neu aufzugehen. Nach der anstrengenden Wanderung nach Machu Picchu wollen wir unsere Grenzen nun aber- mals mit der Besteigung des Nevado Chachani (6.075 Meter Höhe) vor den Toren von Arequipa ausloten. Auf dem Gipfel dieses Berges wurden sogar Inka-Mumien entdeckt. Wenn damals die alten Inkas ohne moderne Ausrüstung den Gip- fel erreichen konnten, so wollen wir es mit Jeans und Aldi-Jacke auch schaffen. Mit seinen 6.075 Metern ist der Nevado Chachani mehr als dop- pelt so hoch wie die Zugspitze. Die Besteigung des Gipfels wird wohl eines der einprägsamsten Abenteuer unserer Südamerikatouren bleiben. Im Basislager auf 5.300 Metern treffen wir am späten Nachmittag ein. Ein US-Amerikaner kehrt gerade mit seinem Bergführer zurück. Er ist am Ende seiner Kräfte. Seine drei Begleiter mussten im Basislager zurückbleiben– sie hatten die Nacht in dieser Höhe nicht verkraftet. Ist die Sonne untergegangen, wird es empfindlich kalt. Aufgrund meiner Erfahrungen mit Nacht- frösten in dieser Höhe packe ich mein Wasser mit in meinen Schlafsack. Es ist so furchtbar kalt, dass wir in unseren unzureichenden Schlafsä- cken nicht eine Sekunde schlafen. Als es um Mit- ternacht Zeit wird aufzustehen, ist das Wasser an meinem Fußende gefroren. Erst nach dem Zer- schneiden der Plastikflasche und dem Auftauen des Eises können wir etwas trinken. Um zwei Uhr geht es mit zwei Lampen für vier Leute end- lich los. Am ersten Eisfeld müssen die Steigeisen angeschnallt werden, was sich mit nahezu gefro- renen Fingern als äußerst schwierig herausstellt. Im schwachen Lichtschein kann ich nur wenige Meter am steilen Eispanzer hinabschauen…und das war gut so. Hätte ich die ganze Dimension des Eises sehen können, wäre meine Gipfeltour vielleicht hier schon beendet gewesen. Spätestens als mir der Eispickel – die Lebensver- sicherung im Falle eines Abrutschens – einfach aus den steifen Fingern fällt, steigert sich meine Angst beträchtlich. Abgestumpft durch die An- strengung und die dünne Luft, spielt dieser natürliche Schutzmechanismus aber keine ent- scheidende Rolle mehr. Nach knapp zehn Stun- den Aufstieg erreichen wir den Gipfel. Obwohl der Ausblick fantastisch ist, treten wir mehr er- schöpft als euphorisch bereits nach wenigen Mi- nuten den Rückweg an. Wir müssen uns beeilen, da die nun kräftiger werdende Sonne die oberste Eisschicht anschmilzt, was sie noch glatter wer- den lässt. Das nun zwingend notwendige kräftige Auftreten mit den Steigeisen kostet uns unsere letzten Kräfte und wir waren selten so froh, un- sere Zelte wieder zu sehen. Kapitel 2 Im Reich der Inka

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