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Chapada Diamantina - farbenprächtige Unterwelt und Schwarzwassercañons

 

Wasserfälle hatten wir nun langsam genug gesehen, aber die Kombination von Wasser und Bergen kann auch andere Naturwunder formen: Es gibt fantastische Höhlen und tiefe Cañons und etwas weniger spektakuläre Wasserrutschen.

Letzteres war keine 20  Minuten von unserer Bleibe entfernt und wir liefen einige Male durch die Sonnenglut zur Abkühlung hierher. Der Fluss fließt hier eine ca. 45° geneigte schiefe Ebene hinunter. Am unteren Ende ist wieder ein natürlicher Pool mit ca. 40m im Durchmesser ausgespült. Man kann hier ganz prima schwimmen oder wenn man es seinem Steißbein zutraut, kraxelt man am Ufer den Hang hinauf, geht vorsichtig in die Flussmitte und rutscht los. Am Rand ist der Fluss nur so ca. 20 Zentimeter tief und die Steine sind relativ glatt…hier ist die ebenste Stelle. Auch wenn das ein bisschen wie Spaßbad klingt, es ist und bleibt Natur. Kein TÜV-Mensch hat hier Nachbesserungen gefordert und so bleibt das Rutschen für Badehose und Bandscheiben ein verschleiß förderndes Vergnügen! Die Dorfjugend hat natürlich für all das schon eine Lösung gefunden….eine Lösung die ordentlich Eindruck schindet: Sie schlittern im Stehen die 30 Meter hinunter und im Idealfall krönen sie ihren Stunt mir einem gekonnten Kopfsprung, wenn sie den Pool erreichen. Es gelingt zwar nicht immer, macht aber natürlich was her.

Viele der Flüsse haben sich auch in die Berge gegraben und fließen unterirdisch. Dabei sind ausgedehnte Höhlensysteme entstanden. Einige davon sind viele Kilometer lang, andere sehr klein, viele sind trocken und einige sind zumindest teilweise geflutet. Eine der schönsten Höhlen ist die Poço Encantado, die „verzauberte Höhle“. Die gewaltige Halle hat einen Durchmesser von circa 200 Metern und ist knapp 100 Meter hoch. Man muss einige hundert Meter durch den Berg hindurch, an Tropfsteinen vorbei, um hier hinunter zu gelangen. Teilweise ist die Höhle geflutet und das Wasser bildet einen über 15 Meter tiefen See. Durch ein kleines Loch, halb vom Urwald zugewuchert, scheint Tageslicht in das Wasser hinein und lässt es ganz sanft bläulich erglimmen. Natürlich ist es ziemlich finster und ich bin dadurch beim fotografieren zu extrem langen Belichtungszeiten gezwungen. Das Ergebnis ist ein klein wenig überraschend: Der Fotoapparat „sammelt“ circa 30 Sekunden lang das Licht um das Foto ausreichend belichten zu können. Die Farben werden dadurch sehr intensiv und entsprechen nicht ganz dem optischen Eindruck, den man selbst in der Höhle hat….allerdings ist dies ein ganz normaler physikalischer Effekt und hat nichts mit Fotobearbeitung zu tun.

Die eindrucksvollste Höhle ist jedoch die Poço Azul, „die blaue Höhle“. Auch diese liegt nah an der Oberfläche, sodass hier ebenfalls durch ein kleines Loch Licht in die Höhle gelangt. Auch in dieser Höhle gibt es einen kleinen See, das Wasser ist allerdings herausragend klar. Obwohl das Wasser über 30 bis 40 Meter tief ist, kann man selbst bei der schummriger Ausleuchtung hier unten den Grund und wirklich jedes Steinchen deutlich sehen. Wenn man in das Wasser hineinschaut, sieht man wie die Felswände sich immer weiter in die Tiefe fortsetzen, auch wenn man dies fälschlicherweise zuerst für Reflexionen der Höhlendecke hält. Im Halbdunkel ist es unmöglich die Oberfläche des superklaren Wassers auszumachen, was zu einem unglaublichen Effekt führt: schwimmt jemand in diesem  klaren Wasser (das ist hier tatsächlich erlaubt), sieht man nichts von dem Wasser…der Schwimmer scheint in der dunklen Höhle zu schweben. Wirklich ein ungewöhnlicher Anblick! Noch eigentümlicher ist das Ganze natürlich für den Schwimmer. Wenn man mit Taucherbrille und Taschenlampe nach unten schaut, sieht man viele Meter weiter unter sich den Boden. Man weiß, dass man schwimmt, man fühlt ja logischerweise auch das Wasser und trotzdem hat man das Gefühl zu schweben. Irgendwie war ich auch froh, als ich wieder aus dem Wasser raus war…ohne abgestürzt zu sein ;-)

Ganz im Süden des Nationalparks liegt der Buracao Cañon. Mit einem Allradfahrzeug kommt man recht nah heran, lediglich die letzten drei Kilometer müssen gelaufen werden. Dieses Naturwunder liegt auf Privatland und so MUSS man bei einer, vom Eigentümer ermächtigten, Tourismusagentur einen Wanderführer buchen. Überhaupt liegen fast alle Höhepunkte des Nationalparks genaugenommen gar nicht im Nationalpark sondern knapp außerhalb. Bei der Ausweisung des Schutzgebietes haben die Großgrundbesitzer sehr genau aufgepasst (und dies mit ihrer Macht auch durchgesetzt), dass die Touristenmagnete außerhalb bleiben. So muss jedes Mal ein „Eintritt“ gezahlt werden.

Buracao ist allerdings weit abgelegen und wenig  besucht und so hatten wir lediglich noch ein brasilianisches Pärchen in unserer „Gruppe“. Die drei Kilometer sind einfach zu laufen, trotzdem startete unser Wanderführer mit einem sportlichen Erwärmungsprogramm wie vor einem Marathonlauf. Bei knapp 40°C Hitze und für 45 Minuten Wanderung kam uns das etwas albern vor, die Brasilianer waren jedoch mit Feuereifer dabei.

Zuerst geht es eben am Fluss entlang über eigentümlich schroff erodiertes Gestein immer flussabwärts. Auf einmal verlassen wir die Ebene und steigen sehr steil in einen Schlucht ab und sind im Nu von einer üppigen Vegetation umgeben. Herrliche Wasserfälle vom tropischen Urwald umrahmt liegen am Weg. Wir haben leider kaum Zeit sie gebührend zu bewundern, denn es geht zügig weiter. Unvermittelt stehen wir an einem  kleinen Fluss und hier scheint der Pfad endgültig zu enden: Überall um uns herum ragen die steilen Wände des Cañons auf. Tatsächlich heißt es jetzt schwimmen und zwar gegen den Strom. Der Cañon ist hier weniger als fünf Meter breit und die Wände ragen circa 80 Meter nahezu senkrecht auf. Das Wasser ist schwarzbraun wie Kaffee und ein weißer Schaum (völlig natürlich entstanden) bildet seltsame Muster darauf. Stefanie stürzt sich ins Wasser und paddelt los. Die Strömung ist nicht zu stark und so kämpft sie sich tapfer durch die circa 200 Meter lange Engstelle der Schlucht. Gerne wäre ich auch geschwommen – schon allein wegen der willkommenen Abkühlung – nur mit meinem Fotoapparat geht das nicht. Es gibt eine Alternative zum Schwimmen und die heißt Klettern. Zuerst muss man hierzu über ein Brett (es gibt ein Halteseil) laufen, dass man in circa fünf Metern Höhe einfach quer zwischen die Felsen gekeilt hat. Auf der anderen Seite gibt es einen Klettersteig. Das Gestein aus dem das Wasser den Cañon heraus gearbeitet hat, ist aus waagerechten Schichten aufgebaut. Jede Schicht ist so ungefähr 30 Zentimeter mächtig und bei jeder Schicht ist der Grad der Erosion verschieden. Manchmal kann man daher ganz bequem gehen und manchmal sind es aber auch nur wenige Zentimeter auf den man seine Füße setzen kann. Die etwas breiteren Stellen nutze ich um den eindrucksvollen Canon zu fotografieren, dann kraxle ich auf den gischtnassen Steinen weiter.

Am Ende der Schmalstelle verbreitert sich die Schlucht und bildet einen exakt kreisrunden Kessel. Der Kessel hat einen Durchmesser von über 100 Metern, ist circa 100 Meter hoch, hat absolut senkrechte Wände und der Boden ist zu 99% mit Wasser gefüllt. Ein riesiger Wasserfall stürzt mit unvorstellbarer Gewalt in dieses Gesteinsloch und füllt es mit Wasser und Gischt. Lediglich an der Wasserfallabgewandten Seite gibt es einen kleinen Felsvorsprung wo sich circa zehn Personen aufhalten können…hier machen wir Rast und genießen das (vermutlich) einzigartige Schauspiel wenige Meter vor uns. Es ist ein eigenartiges Gefühl: Ein gigantisches Loch mit unüberwindbaren, riesig hohen Felswänden, alles mit Wasser geflutet bis auf ein kleines Fleckchen wo man gemütlich sitzen kann. Man schaut wie gebannt auf das hernieder prasselnde Wasser und immer wieder schaut man unbehaglich zu dem kleinen Ausgang aus diesem Hexenkessel. Irgendwie ist man dann doch immer wieder froh, dass er immer noch da ist ;-)

Rückwärts schwimme ich durch den Cañon und Stefanie kraxelt mit dem Fotoapparat zurück. Auf dem Rücken liegend lass ich mich von der Strömung sanft treiben. Der Blick nach oben zeigt nur ein sehr schmales Band Himmel. Inzwischen ist dieser Himmel allerdings nicht mehr blau. In den letzten zwei Stunden hatte er sich stark zugezogen. Ein anderer Guide kommt uns aufgeregt entgegen: Wenige Kilometer von hier hat es bei einem lokalen Gewitter extrem viel geregnet und die Flüsse steigen rasant an. Alle müssen schnellstmöglich raus aus dem Cañon. Wir hatten ja bereits den Wanderpfad wieder erreicht, aber eine Familie war noch im „ Kessel“. Der Guide flitzte wie der Wind den Kletterpfad entlang und holte schnell alle aus dem Gefahrenbereich. Auf unserem Rückweg entlang des Flusses sahen wir dann auch, dass der Wasserspiegel circa einen dreiviertel Meter gestiegen war (in ca. 20min.) Da hatten wir noch mal Glück gehabt.

Nun verlassen wir die Chapada Diamantina und es geht weiter Richtung Süden, zu herrlichen Stränden und tropischen Inseln. Dazu mehr im nächsten Reisebericht.

 

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