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Chapada Diamantina - Wasserfälle, Schluchten und Berge

 

Das bekannteste Postkartenmotiv der Chapada Diamantina ist der Blick vom Berg Pai Inacio hinein in die weiten Täler zwischen den Tafelbergen. Ich hatte das Foto im Reiseführer gesehen und wollte unbedingt selbst dieses Panorama erleben, auch wenn ich Tage dorthin wandern müsste. Es stellte sich jedoch heraus, dass man sogar mit dem Bus hierher fahren kann. Lediglich die letzten zwei Kilometer muss man laufen und so konnten wir völlig ausgeruht den Sonnenuntergang genießen. Circa 300 Meter ragt „unser“ Tafelberg über die Ebene hinaus. Während sich die Sonne weiter und weiter senkte, krochen die Schatten der Berge immer schneller wachsend über die Urwälder zu unseren Füßen. Erholt und voller Tatendrang saßen wir nun hier im Sonnenuntergang und planten  unseren nächsten Tag. Es sollte zum Sossego Wasserfall gehen. Am Ende einer Schlucht gelegen ist dieser Wasserfall nur auf einer circa sieben Kilometer langen Kraxeltour zu erreichen. Sieben Kilometer klingen nicht viel, aber wir sollten eines besseren belehrt werden.

Wir starteten am Morgen und es war bereits unglaublich heiß. Kein Wunder, denn es sind von hier nur ein paar 100 Kilometer bis zum Äquator und zurzeit herrscht hier die Hitzeperiode. Auf den ersten drei Kilometern gibt es sogar Trampelpfade und so erschien uns trotz literweise Schwitzens alles gar nicht so wild. An einem Flüsschen mussten wir dann allerdings jeglichen Weg verlassen und uns weiter flussaufwärts, von Stein zu Stein springend, voran arbeiten. Ab und zu konnte man auch mal ein paar Meter am Ufer durch das Unterholz kraxeln, aber das war eigentlich fast noch schlimmer. Wir gingen weiter und bald stiegen die Ufer links und rechts immer weiter an. Erst bewegten wir uns in einem Graben, aber die Seitenwände wurden immer höher und irgendwann befanden wir uns am Grund einer Schlucht. Bis zu 90 Meter hoch reichen die senkrechten Felsen und trotzdem gibt es so gut wir keinen Schatten, da die sengende Äquatorsonne senkrecht auf uns hernieder brennt. Nur ab und zu rieselt ein ganz feiner Nieselregen herab. Diese viel zu seltene und hochgradig willkommene Abkühlung verdanken wir kleinen Rinnsalen die oben über die Kanten fließen und stellenweise fast vollständig beim Herunterrieseln zerstäuben. Herrlich! Meist aber arbeiten wir uns völlig ungekühlt durch die unwegsame Schlucht: noch ein Sprung, noch ein Sprung und wieder….Es ist eigentlich kein zu schwerer Weg, aber man muss sich eben extrem konzentrieren, weil zwischen den riesigen Steinen (meist fünf bis sechs, maximal zehn Meter große Brocken) metertiefe Lücken klaffen. Selbst ein einziger Fehltritt, auch wenn er nur zu einem verstauchten Fuß führt, wäre  hier ein großes Problem. Als wir so langsam zu zweifeln beginnen ob diese Tour eine gute Idee war, schlägt hinter einer Biegung uns ein kühler, nahezu kalter, Luftzug entgegen. Es ist unglaublich wie das  unsere halbvertrockneten Gehirne wieder motivierte. Natürlich war uns sofort klar, dass diese herrliche Kühle den Wasserfall ankündigte und damit das Ende der Schlucht bedeutete. Die letzten paar Meter ging es mit doppelten Tempo weiter und dann ein Sprung samt Klamotten (die waren sowieso klatschnass durchgeschwitzt) ins herrliche Wasser. Der Wasserfall hat mit seiner Kraft einen natürlichen Pool geschaffen und wir planschten wie wild darin herum. Am imposantesten (fast beängstigend) fand ich es nahe an das hernieder stürzende Wasser heran zu schwimmen. Ist man nur wenige Meter von dem Wasserfall entfernt, ist es unglaublich laut und der Blick auf all das auf-einen-zu-fallende Wasser ist unbeschreiblich.  Richtig darunter geschwommen bin ich aber nicht. Die Wucht des 90 Meter heruntergefallenen Wassers ist mir zu gewaltig und außerdem bekommt man in all der aufgewirbelten Gischt beim Atmen meist mehr Wasser als Luft in den Mund.

 Was für eine herrliche Pause: Ganz allein sitzen wir vor dem Wasserfall und futtern unsere mitgebrachten Semmeln und genießen es wie langsam die Kälte in uns hineinkriecht. Als wir nach einer Weile tatsächlich ein wenig zu frösteln beginnen – ein Gefühl dessen Existenz wir vor einer Stunde noch rundheraus abgestritten hätten- machten wir uns auf den Rückweg. Inzwischen ist es Nachmittag und der Canyon liegt meist im Schatten. Wir kommen zügig voran bis Stefanie vor mir mit einem spitzen Schrei in einen gewaltigen Satz zurückschnellt. Eine Schlange! Man hatte uns eindringlich gewarnt: Es gibt hier viele Schlangen und einige Arten sind sehr giftig.  Am Augenfälligsten sind die Korallenkobras (alle Schlangen werden von den Einheimischen hier „Kobra“ genannt) mit ihrer charakteristischen rot, weiß, schwarzen Ringelfärbung. Ich schaue um die Ecke und tatsächlich: rot – weiß – schwarz. Nur zehn Zentimeter stand Stefanie daneben. Die Schlange bleibt total ruhig. Vermutlich wollte sie sich an dem Wasser auch nur ein wenig abkühlen. Wir umgehen die Schlange weiträumig und sind froh sie erst auf dem Rückweg entdeckt zu haben…ich glaube kaum, dass wir sonst so entspannt schwimmen gewesen wären.

Nachdem wir mit Wasserfällen nun auf den Geschmack gekommen waren, wollten wir natürlich auch zum Cachoeira Fumaça, dem zweithöchsten Wasserfall Brasiliens (353 Meter).  Hier hatten wir ziemlich Glück mit dem Wetter: Es war ganztägig bewölkt und auch wenn es gegen Abend zu Gewittern begann, war es dadurch den ganzen Tag nicht zu heiß. Auch der Weg dorthin ist ein breiter, von täglich Dutzenden Wanderern begangener, einfacher Pfad. Am Ziel der kurzen Wanderung steht man oben an der Absturzkante und kann dem Wasser hinterher schauen wie es in der Tiefe verschwindet. Cachoeira Fumaça bedeutet so viel wie „Rauch- oder Nebelwasserfall“ und tatsächlich ist das ganze Wasser bevor es im Tal aufschlägt komplett in feinste Nebeltröpfchen zerstoben.

 

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