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Brasilien - neuer Aufbruch in die neue Welt

 

Brasilien ist ein Land das uns schon immer faszinierte, das wir aber immer zugunsten anderer südamerikanischer Länder hinten angestellt haben. Größer als Westeuropa und extrem vielfältig in Kultur und Landschaften ist es natürlich ein ideales Reiseziel, nur wird hier Portugiesisch gesprochen und so war es für uns eben immer einfacher gewesen im spanischen Sprachraum zu bleiben.

Aber wir wollten ja auch etwas wirklich Neues kennenlernen…und Brasilien ist neu für uns. Es ist anders als der Rest Südamerikas. Die Kultur und Mentalität im tropischen Brasilien unterscheidet sich grundlegend von den eher indiogeprägten Andenländern Bolivien, Peru und Ecuador oder den eher europäisch geprägten südlichen Ländern Chile und Argentinien.

Wir starteten in Salvador eine der größten Städte des Landes und die Hauptstadt von dem Bundesland Bahia, das ungefähr die Größe von Deutschland hat. Hier im tropischen Nordosten des Landes bildete über Jahrhunderte der Anbau von Zuckerrohr das wirtschaftliche Rückrat des Landes. Unzählige Sklaven aus Schwarzafrika schufteten hier unter der unbarmherzigen Äquatorsonne auf den endlosen Plantagen einer kleinen Europa-stämmigen Elite. Die Nachfahren der Sklaven bilden heute den größten Bevölkerungsteil Bahias. All die afrikanischen Traditionen, Tänze, Gesänge und religiöse Vorstellungen haben sich bis heute gehalten. Sie haben sich mit europäischen und indianischen Vorstellungen durchmischt und so zu einer der reichsten und vielfältigsten Kulturschätze der Welt entwickelt. Das bekannteste „Produkt“ dieser „Traditionsdurchmischung“ ist sicherlich neben Samba und Capoeira der weltbekannte brasilianische Karneval.

Der zweitgrößte Karneval der Welt (nach Rio de Janeiro) findet hier in Salvador statt und war eine Woche nach unserer Ankunft. Wir waren total begeistert, konnten wir doch so dieses Großereignis miterleben.  Allerdings wurden wir ziemlich schnell desillusioniert. Die Preise in Brasilien, besonders in Bahia und speziell in Salvador explodieren zur Karnevalszeit, auch ist alles schon seit Monaten (manche Unterkünfte auf Jahre hinaus) ausgebucht. Ohne zu zögern wären wir bereit einen nachvollziehbaren Aufpreis zu zahlen, aber 70 Euro pro Person in einem nicht klimatisierten großen improvisierten Schlafsaal war uns dann doch zu happig. Zwei bis drei Tage wären wir unter Umständen sogar geblieben, aber man kann hier nur mindestens sieben oft auch mindestens zehn Tage am Stück buchen. Reichlich tausend Euro für uns beide für eine Woche auf einer Matratze waren uns deutlich zu teuer. Mit Sicherheit hätte man mit mehr zeitlichen Vorlauf günstigere Konditionen finden können, aber unsere Recherchen bezogen sich ja alle auf Arabien – wir hatten also Pech. Daher entschieden wir uns schnell weiter zu reisen in die „Chapada Diamantina“.

Der Nationalpark „Chapada Diamantina“ ist ein sehr dünn besiedeltes Gebiet im Westen von Salvador. Wir fuhren nach Lençois, der einzigen nennenswerten Siedlung (5000 Einwohner) hier im Nationalpark. Bis vor wenigen Jahren lebten hier alle vom Diamantensuchen, heute spielt Tourismus eine große Rolle. Die Landschaft ist atemberaubend. Gigantische Tafelberge, die höchsten Wasserfälle Brasiliens, enge Schluchten, farbenprächtige Höhlen und all das unter einer sehr abwechslungsreichen Vegetation. Die eher trockenen Hochflächen sind von niedrigen savannenähnlichen Buschwäldern bestanden und in den schattigen Canyons wuchern tiefgrüne, tropische Schluchtwälder. Die Flüsse sind warm  und sauber, das Wasser ist trinkbar, aber tiefschwarz und ähnelt einem zu dünn geratenen Kaffee. Die genaue Ursache hierfür konnte mir keiner plausibel erklären. Ich vermute es hängt mir Mineralien zusammen die hier ausgespült werden (sollte ein Geologe, Hydrologe oder andere „Gut-Informierter“ mir dies vielleicht erklären können, wäre ich für eine Mail sehr dankbar).

In den Flüssen könnten natürlich auch heute noch Diamanten gefunden werden und auch wenn es inzwischen im Nationalpark nicht mehr legal ist diese abzubauen, gibt es natürlich immer noch „Garimperos“ – Diamantensucher. Diese harten Burschen bleiben meist eine oder gar mehrere Wochen in der Wildnis bevor sie mit ihren Fundstücken zurückkehren. Man muss wirklich hart im Nehmen sein, will/muss man so sein Geld verdienen. Es ist tagsüber nahezu unerträglich heiß, es gibt giftige Schlangen, Skorpione, Spinnen und sogar, wenn auch extrem selten, Pumas. Die größte Gefahr sind aber vermutlich andere Garimperos. Keiner geht unbewaffnet Diamanten suchen. Es kursieren die wildesten Gerüchte über Mord und Totschlag im gesetzlosen Niemandsland. Sicher ist nicht alles wahr, aber das fehlen einiger Finger bei so manchen Garimperos zeugt von den rauen Sitten. Sogar Sklavenarbeit gibt es noch. Ein Freund von unserem Vermieter – Alfonso (Name geändert), ein Schwarzer Mitte Dreißig – hat uns berichtet wie er noch vor wenigen Jahren unter Sklavenbedingungen arbeitete. Von 1995 bis 1999 wurde er mit Waffengewalt zum Diamantenschürfen gezwungen. Es gab keine Entlohnung, nur Verpflegung und eine Holzbarrake. Das Gebiet ist so riesig, dass es ein Weglaufen ohne Ausrüstung durch die Wildnis unmöglich macht.

Ob Sklaverei heutzutage in der Chapada Diamantina noch aktuell ist, kann ich nicht sagen. Fakt ist jedoch, dass es Sklaverei in Brasilien heute noch gibt, auch wenn sie natürlich schon lange illegal ist. In den weiten Gebieten mit gigantischen privaten Besitztümern herrschen teilweise heute noch koloniale Bedingungen. Spezielle Polizeieinheiten haben in den letzten Jahren ca. 32.000 Sklaven befreit. De Regierung selbst schätzt, dass es weitere 25.000 Sklaven gibt. Menschenrechtler gehen von rund 200.000 Sklaven in Brasilien aus. (Quelle: Artikel Tagesschau.de: „Auf Sklavensuche in Brasilien“, 26.Februar 2011)

Es war kaum zu glauben, was uns Alfonso berichtete, aber Brasilien ist eben ein zweigeteiltes Land. Moderne, weltoffene, touristische Städte und eine unglaublich boomende Wirtschaft, aber eben auch unbeschreibliche Armut, Gewalt, Kriminalität, Korruption, Umweltzerstörung und Rassendiskriminierung. Gerade in den letzten Jahren, mit Präsident Lula, hat sich hier unglaublich viel zum Positiven gewandelt, aber es bleibt ein weiter Weg.

Beim nächsten Mal geht es dann hinein in die fantastische Natur der Chapada Diamantina - auf tollen Touren zu Höhepunkten des Nationalparks.

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