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Boliviens Vielfalt - Nachtfrost, Wasserwelt und Tropenhitze

 

Brasilien sollte diesmal unser alleiniges Reiseland sein. Groß und vielfältig genug ist es allemal. Aber Brasilien ist teuer. In wenigen Jahren hat es sich von einem preiswerten Reiseland zum teuersten in Südamerika entwickelt. Zwar reisen wir sehr sparsam, doch unser Reisebudget schmilzt trotzdem viel zu schnell dahin. Besonders Touristen werden gern und gründlich gemolken. Als wir erfahren, dass für eine dreitägige Pantanaltour circa 400 Euro pro Person zu berappen wären, verschlägt es uns den Atem und auch die Lust dorthin zu reisen. Wir sind zunehmend zornig über die Abzocke und werfen unsere Pläne mal wieder über den Haufen. Wir reisen nun kurz entschlossen nach Bolivien, weil 1/3 des Pantanals eben auch in Bolivien liegt. Eine Tour hier kostet nur circa 20 Prozent des brasilianischen Preises. Außerdem können wir nun auch quer durch Bolivien reisen und so viele Tausend Kilometer Strecke sparen ….und viel viel Geld.

Wir reisen also nun über Tupiza in Südbolivien über das herrliche Cochabamba ins tropische Santa Cruz und weiter in den bolivianischen Pantanal nach Quijarro. Der Ehemals so berüchtigte „Todeszug“ von Santa Cruz in das Grenzkaff Quijarro ist inzwischen auch modernisiert wurden und die unzähligen, namensgebenden Unfälle halten sich nun im Rahmen. Der Unterschied des bitterarmen Boliviens, obwohl wir hier im reicheren Osten des Landes sind, und des aufstrebenden Brasiliens kann einem kaum deutlicher gemacht werden als hier. In Quijarro gibt es wenige Gebäude mit mehr als einer Etage, viele Holzhütten und nur eine befestigte Straße. Jenseits des Flusses im brasilianischen Corumba sieht man schon von Weitem die Hochhäuser der Innenstadt.

Wir brauchen eine Weile um jemanden zu finden der uns mit seinem Boot den Pantanal zeigt. Es ist uns auch bewusst, dass wir nicht unbedingt zur besten Jahreszeit hier sind um Tiere zu sehen. Diese versammeln sich, notgedrungen, während der Trockenzeit an den wenigen verbliebenen Wasserstellen und sind dort gut zu beobachten. Nun ist allerdings fast Wasserhöchststand und so fahren wir statt durch eine Fluss- Sumpflandschaft über eine eher seeartige, fast geschlossene Wasserfläche. Der Fluss ist derartig angeschwollen und über die Ufer gelaufen, dass stellenweise das andere Ufer kaum auszumachen ist. Viele Häuser stehen im Wasser und nur das Dach schaut noch heraus. Meist sind das Wirtschaftsgebäude und Ställe die wie die Weiden für ein paar Monate unzugänglich sind. Die Tiere gibt es natürlich immer noch, aber sie sind nun auf gigantische Flächen verteilt. Leider können wir daher nur wenige Wasserschweine, einen einzigen Kaiman, aber unzählige Vögel sehen.

Letztendlich sind wir sehr froh keine 800 Euro in Brasilien bezahlt zu haben und fahren ins bolivianische Tiefland nach Trinidad. Von dort wollen wir mit einem Boot weiterfahren. Hier verlässt  uns aber das Glück vollends, da das nächste Boot erst in einer Woche wieder ablegt und dann schätzungsweise fünf Tage bis zur Grenze braucht. Wir disponieren um und fliegen für 45 Euro pro Person nach Guayaramerin, eine Ministadt an der Grenze zu Brasilien.

Schon auf dem Flug mit einer 12-sitzigen Propellermaschine konnten wir den unendlichen bolivianischen Regenwald bewundern. Bis jetzt kannten wir hauptsächlich nur das Hochland – kalt, karg und trocken – nun ging es in die Tropen. Unzählige Wasserläufe und Flüsse, auf einem hätten wir fahren wollen, schlängeln sich in zahllosen Mäandern durch den Regenwald. Die Fläche die wir überflogen, obwohl Boliviens Anteil an Amazonien überschaubar ist, scheint unendlich. Wirft man auch nur einen Blick aus dem Flieger, durch die sich auftürmenden Wolken, ist einem sofort klar: Diese schwammartige, maßlos durchwässerte und unendliche Waldwildnis ist viel zu unzugänglich, zu gigantisch und zu wild, als dass der Mensch sie jemals beherrschen könnte. Gegen jedes bessere Wissen war das mein Eindruck. Als wir jedoch zum Landeanflug ansetzten, zerstob diese Illusion in Nichts als die ersten Ausläufer der Stadt sichtbar wurden. Wie ein Pilzgeflecht ziehen sich von der Stadt aus Wege und Pfade hinein in die Wildnis dazwischen liegen Weiden auf denen abertausende von Rindern grasen. Größtenteils werden die Rinder in das wirtschaftlich boomende Brasilien exportiert. Überhaupt scheint ganz Guayaramerin ein gigantischer Billigmarktplatz für das nahegelegene Brasilien zu sein.

Wir wollen nun aber weiter über die Grenze. Hier fahren täglich tausende Menschen ohne Passstempel über den Grenzfluss. Solange man nicht im Nachbarland weiterreisen will, ist das auch in Ordnung, aber wir brauchen unsere Stempel. Die bolivianische Seite ist einfach. Ein supernetter Grenzer, der sein Büro kurzerhand in den schattigeren  Garten verlegt hat, krabbelt aus seiner Hängematte, scherzt ein wenig mit uns und in zwei Minuten haben wir unsere Stempel. Nun setzten wir über und müssen die brasilianische Grenzstelle in Guajara-Mirim erst mal suchen. Circa 1,5 Kilometer vom Hafen entfernt finden wir sie nach einigem Suchen mitten in der Stadt. Hier brauchen wir circa 50 Minuten.

Nun geht es in den Norden Brasilien, hier wollen wir Brasiliens höchsten Berg besteigen – den Tafelberg Roraima.

 

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