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Abstecher Argentinien - tosendes Wasser und luftige Höhen

 

Die Wasserfälle von Iguazu sind die größten (wasserreichsten) der Welt und es sind die imposantesten die ich je gesehen habe. Zwar sind wir vor ein paar Jahren schon einmal hier gewesen, aber diese Fälle in ihrer unübertroffenen Urgewalt kann man vermutlich tausend Mal besuchen und trotzdem immer wieder aufs Neue beeindruckt sein.

Der Rio Iguazu, der die Fälle bildet, ist der Grenzfluss zwischen Brasilien und Argentinien und von beiden Seiten hat man spektakuläre Ausblicke. Wir haben Brasilien vorerst verlassen und sind nach Argentinien gereist, weil hier alles viel preiswerter ist. Brasilien ist nämlich in den letzten Jahren ein arg teures Reiseland geworden, da der Reais oder Real (Währung Brasiliens) im Vergleich zum Euro um circa 50 Prozent aufgewertet wurde. In Argentinien kostet alles circa die Hälfte und so konnten wir ein wenig unsere Reisekasse schonen.

Wir sind natürlich gleich am ersten Tag zu den Wasserfällen gestürmt und haben uns von den beeindruckenden, stürzenden Wassermassen den Atem rauben lassen. Im Detail möchte ich heute die Wasserfälle aber nicht beschreiben, da ich mich wohl ziemlich wiederholen würde (Sie können natürlich auf meiner Homepage noch mal nachstöbern). Ein Höhepunkt blieb uns allerdings beim letzten Mal verwehrt, die Isla San Martin war beim letzten Mal gesperrt war aber nun zugänglich. Diese Insel ist der tollste Platz am ganzen Katarakt, da sie mitten im Fluss zwischen allen Fällen liegt. Mit einem Boot setzt man auf die sehr unwegsame Insel über und hat dort zwar nur wenige, aber spektakuläre Aussichtspunkte. Ein kleines unscheinbares Löchlein in der Vegetation gibt den Blick auf all die vielen Wasserfälle um den berühmten Teufelsschlund frei…hier spürt und sieht man die Urgewalt des Wassers. Auf der anderen Seite des „Inselchens“ gibt es eine richtige Aussichtsplattform, direkt vor der größten Serie von Wasserfällen auf der argentinischen Seite (Insgesamt sind es mehr als 270 einzelne Wasserfälle). Hier, direkt vor dem San Martin Wasserfall weht meist die gewaltige Gischt heran und man kann hier daher in der Regel gar nicht stehen ohne in einer Sekunde klatschnass zu sein. Heute stand der Wind glücklicherweise günstig und wir konnten das seltene Schauspiel genießen. Die Felswand ist stark zerklüftet und die vielen Vorsprünge, Spalten, Ritzen und Bruchanten bieten der subtropischen Vegetation ausreichend Ansatzpunkte sich hartnäckig festzukrallen. Dadurch sind die Fälle hier sozusagen grüner. Sie entsprechen daher ziemlich genau unserem Klischee eines paradiesischen Wasserfalls. Am eindrucksvollsten fand ich einen Felsblock der aus der senkrechten Wand heraus zu kippen scheint. Das Wasser prasselt von oben auf das Gestein, zerstäubt, zerfließt und verliert sich nur um unterhalb des Felsens wieder einen tobenden, senkrechten und weißen Strom zu bilden. Dadurch scheint der Fels nach unten nirgendwo aufzustehen… also zu schweben. Die üppige Vegetation, von Gischt und Wasser durchströmt wie ein maßlos übersättigter Schwamm, hebt sich sattgrün gegen das wild weißschäumende Wasser ab. Alles sieht ein klein wenig wie bei den schwebenden, reich überwachsenen Felsen von Pandora im Film „Avatar“ aus. Bei so viel Glück mit Wind und Wetter wollten wir noch ein paar Tage bis zum Vollmond bleiben und uns die Wasserfälle bei Mondschein anschauen. Hier hatte Petrus allerdings kein Einsehen mehr und schickte jeden Abend Gewitter.

Wir beschlossen nun noch eine Sache nachzuholen, die wir bei unserem letzten Argentinienbesuch nicht realisieren konnten: Eine Fahrt mit dem Tren a las Nubes“, dem „Zug in die  Wolken“. Diese einzigartige Zugstrecke war lange Zeit unter Rekonstruktion ist aber nun wieder ausschließlich für Touristen nutzbar. Wir fuhren also mit dem Bus bis Salta im äußersten Nordwesten des Landes. Hier nahe des Dreiländerecks Argentinien, Bolivien und Chile wurde 1921 begonnen eine Eisenbahnverbindung von Argentinien nach Chile zu bauen. Die begabtesten Ingenieure ihrer Zeit und federführend Ricardo Fontaine Maury (vorher tätig am Panama-Kanal) planten eine Streckenführung die vorher für unmöglich  gehalten wurde: 29 Brücken, 21 Tunnel, 13 Viadukte, 2 schraubenförmige Aufstiege und 2 Zickzacks. In 27 Jahren wurde die Strecke durch die wild zerklüfteten Schluchten der Hochanden bis hinauf auf den Altiplano gebaut. Den höchsten Punkt bildet ein gigantischer Viadukt über eine Steilschlucht in 4220 Metern Höhe. Die Stahlkonstruktion des Polvorilla Viaduktes galt lange Zeit als das gewagteste technische Bauwerk seiner Zeit. Nach der Fertigstellung 1948 diente die Strecke dem Transport von Erzen und Mineralien nach Chile von wo aus das meiste verschifft wurde.

Heutzutage kann man in bequem ausgestatteten Touristenwagons den spektakulärsten Teil der Strecke befahren. Man startet 7:00 Uhr morgens und kehrt erst nachts 23:00 Uhr zurück. Die Fahrt geht  in der Ebene um Salta los und bald geht es hinauf in die immer enger werdenden Täler der Anden. Weil das Gelände so schwierig ist, verläuft die Strecke mal links und mal rechts des Flusses. Das anfangs noch breite Tal muss daher mehrmals gequert werden. Die Regenzeit ist vorbei und die Gebirgsflüsse daher auf ein Minimum geschrumpft. Die Brücken führen also eigentlich nur über breite Schuttebenen mit kleinen Bächen darin. Ein einziger Blick auf das Hundert Meter breite Flussbett mit gewaltigen Felsbrocken darin lässt einen aber sofort die unzähmbare Kraft des Flusses erahnen, wenn hier Schmelzwasser und Regenwasser unkontrollierbar zu Tal donnern. Nun windet sich die Strecke immer weiter bergan durch all die vielen Tunnel und Brücken. Zweimal durchfahren wir einen Zickzack: Der Zug stoppt, eine Weiche wird umgestellt, auf einem anderen Gleis geht es nun rückwärts bergauf, der Zug stoppt, eine Weiche wird umgestellt und es geht wieder vorwärts – natürlich bergauf ;-) - weiter. Man hat dadurch dreimal den gleichen Ausblick – nur aus verschiedenen Höhen. Auch der „Kreisel“ ist bemerkenswert. Es ist wie bei einem Kreisverkehr den man gerade überqueren will, man aber noch eine „Extrarunde“ fährt. Während dieser schraubenförmigen Extrarunde, die aus dem Fels herausgesprengt wurde, geht es weiterhin steil bergauf. Die Zickzacks und Schrauben dienen dazu die Steigung auf mehr Strecke zu „verteilen“ und die Steigung dadurch in einem Maß zu halten, welches von der Lokomotive bewältigbar ist.

Der Ausblick ist fantastisch und variiert von Agrarland um Salta, Wäldern am Fußpunkt der Berge, imposanten Flussbetten, schroff steilen Felswänden bis hinauf zum vegetationsarmen Altiplano. Wenn man möchte kann man sich die imposante Natur und beeindruckenden technischen Bauwerke auch superbequem bei einem leckeren Mittagessen mit guten argentinischen Rotwein betrachten – einen Speisewagen gibt es nämlich auch. Am Polvorilla Viadukt stoppt der Zug und alle können aussteigen um die Brücke zu bewundern. Danach geht es wieder zurück nach Salta.

Wir reisen am nächsten Tag auch weiter. Der Pantanal, das größte Sumpfland der Welt, ist unser nächstes Ziel.

 

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