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2000 Kilometer Flussschifffahrt auf dem Amazonas

 

Amazonien ist riesig. Das Regenwaldgebiet ist so unfassbar groß, dass man Deutschland über 16 mal darin unterbringen könnte. Es ist daher illusorisch zu glauben, man könnte Amazonien während einer Reise vollständig bereisen oder gar verstehen. Wir haben uns daher einen winzig kleinen Bereich (siehe letzter Bericht) etwas ausführlicher angeschaut und nun wollen wir uns noch einen groben Überblick verschaffen. Dazu kauften wir uns zwei Hängematten, Reiseproviant, zwei Fahrkarten und reisten eine Woche lang auf einem der typischen Flussschiffe den Amazonas hinunter. Sieben Tage brauchten wir für rund 2000 Kilometer während denen der Amazonas von einem Fluss zu einem unüberblickbaren Strom anwuchs.

Unsere Vermieterin meinte: „Schnappt eure Hängematte, geht aufs Schiff und hängt sie dort irgendwo auf. Benehmt euch so als hättet ihr alles schon tausend Mal gemacht. Irgendwann kommt jemand rum und kassiert euch ab. Genießt die Enge!‟ So richtig gut eingewiesen kamen wir uns nun eigentlich nicht vor, gingen aber zum Hafen und kauften zwei Hängematten. „...die Stricke nicht vergessen!‟ erinnere ich mich noch an die mahnenden Worte unserer wohlmeinenden Vermieterin. Dann ging es über ein paar wackelige Holzbretter an Bord. Wir versuchten all die Ratschläge die wir inzwischen zur Auswahl des Hängemattenplatzes erhalten hatten zu berücksichtigen. Oberdeck, da ist die Luft besser. Weg vom Klo, dort stinkt es. Weg von der Bar, dort ist es unglaublich laut. Nicht vorn, da regnet es herein. Nicht hinten (Ausgang), dort wird viel geklaut. Nicht in der Mitte, da ist es immer besonders voll, usw, usw. Immerhin war der Platz für sieben Tage unser Zuhause und so nahmen wir die Auswahl ernst. Wir waren also schon sechs Stunden vor Abfahrt da und hatten dadurch freie Platzwahl. Unsere Auswahl traf ein Plätzchen irgendwo im vorderen Drittel und so hofften wir die gröbsten Anfängerfehler vermieden zu haben. Zum anbinden waren Rohre an der Decke jedes Decks geschweißt. Der Abstand zur nächsten Hängematte war so frei einstellbar und betrug von anfangs komfortablen einem Meter zum Schluss keine 40 Zentimeter mehr. Bei großen Andrang wurden stellenweise die Hängematten auch übereinander angebunden. Abkassiert wurden wir übrigens erst zwei Tage später.

Das Liegen und das Schlafen in einer Hängematte ist traumhaft vorausgesetzt man legt sich nicht wie ein Tourist längs, sondern wie ein Einheimischer diagonal in die Matte. Wir haben die Fahrt sehr genossen. Es gibt keinen Stress, man baumelt und baumelt und bewundert die fantastische Kulisse die außen am Boot vorbeigeschoben wird. Natürlich gibt es viel zu sehen und zu fotografieren, mit den Nachbarn zu schwatzen, ein gutes Buch zu lesen, Reiseberichte zu schreiben oder einfach nur in der Hitze zu dösen. Für ein paar Tage lässt sich das gut aushalten. Ein bis zweimal pro Tag legt das Schiff irgendwo an. Manchmal sind es nur Dörfchen, aber auch riesige Metropolen wie Manaus oder Santarem. Nun wird stundenlang ein- und ausgeladen und neue Passagiere versuchen sich die bestmöglichen Plätze zu erkämpfen. In den Häfen kommen Händler an Bord die von fertigen Mahlzeiten bis zu Klappstühlen alles verkaufen. Manchmal sind die Dörfer zu klein, als das sich das Anlegen lohnen würde. Dann kommen die neuen Passagiere mit Motorbooten zum Schiff und legen während der Fahrt zum Einsteigen an. Überhaupt legen immer mal wieder kleine Motorboote an. Es sind Händler oder sie bringen oder holen Passagiere. Im unteren Teil des Flusses paddelten häufig Indianer (nur Frauen und Kinder, niemals Männer) mit ihren Booten heran. Viele der Passagiere warfen ab und zu "Spenden" in den Fluss. Besonders häufig landete die ungewaschene Wäsche, aber auch Plastiktüten (damit es schwimmt) mit Süßigkeiten oder Essen im Wasser. Die Indios fischten die Dinge dann heraus.

Im letzten Abschnitt auf unserer Flussfahrt wurde das Wetter zunehmend schlechter und so steuerte der Kapitän ab und zu eine windgeschützte Uferstelle zum Ankern an. Der Fluss war nun inzwischen so breit geworden, dass manchmal das Ufer nicht zu sehen war. Man fühlte sich wie auf offener See. Zwar habe ich noch nie einen Sturm auf dem Meer erlebt, aber die Gewalt der Tropengewitter die über uns herniedergingen war für mich völlig ausreichend. Selbst das Oberdeck wurde regelmäßig (durch Regen) unter Wasser gesetzt und das einzige halbwegs trockenen Plätzchen war die liebgewonnene Hängematte. Nach einer Woche auf dem größten Fluss der Welt erreichten wir Belem, hier mündet der Amazonas in den Atlantik. Wir gingen im strömenden Regen zwei Uhr nachts von Bord. Zwar freuten wir uns auf eine richtige Dusche (an Bord wurde nur Flusswasser hochgepumpt), aber die Hängematte ziehen wir den meisten Betten inzwischen vor.

Nun geht unsere Reise so langsam dem Ende entgegen. Einmal haben wir Brasilien im Uhrzeigersinn "umrundet" nun fehlt uns nur noch die nördliche Atlantikküste, bevor es wieder Richtung Heimat geht. 

 

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