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Amazonien - Grüne Hölle unter Wasser

 

Nach unserer Bergtour in Venezuela ging es wieder zurück ins gigantische Brasilien. Wir flogen nach Tefé ein kleines Städtchen stromaufwärts von der Dschungelmetropole Manaus. Der Dschungel, der Regenwald, der unberührte Urwald war unser Ziel und auch im unendlichen Amazonien ist dies zunehmend schwieriger zu finden. Hier inmitten eines gigantischen Schutzgebietes (57.000 Quadratkilometer) gibt es eine Ökolodge welche direkt von der Schutzgebietsverwaltung unter strengsten Naturschutzrichtlinien und unter Einbeziehung der lokalen Indianerstämme betrieben wird. Der Grundgedanke ist die Einheimischen, ohne deren Mitarbeit jedes Schutzkonzept scheitert, zur Zusammenarbeit zu bewegen. Jedes Dorf im Schutzgebiet wird daher an den Einnahmen aus dem Ökotourismus beteiligt und alle ansässigen Familien dürfen ein Mitglied entsenden um dort, zum Beispiel als Dschungelführer, zu arbeiten und Geld zu verdienen. Ein tolles Projekt im kleinen Rahmen (wir waren nur drei Touristen) zum nachhaltigen Naturerleben.

Mit einem Motorboot starteten wir in Tefé und sahen bereits auf unserer Anfahrt eine artenreiche Wasserwelt: unzählige Vögel, Reiher, gigantische Baumriesen, undurchdringliche Dickichte, wir hörten Brüllaffen und sahen sogar die seltenen rosa Flussdelfine. In Stadtnähe lebten noch viele Leute in schwimmenden Häusern direkt auf dem Fluss bzw. in Häusern mit hohen Stelzen am Ufer. Momentan steht das Wasser sehr hoch (circa 12 Meter über dem niedrigsten Wasserstand) und daher ist fast alles geflutet. Farmer deren Weiden komplett unter Wasser stehen, treiben ihr Vieh auf Flöße. Hier stehen dann die Rinder monatelang und warten auf das Zurückweichen des Wassers. Wir fuhren aber immer weiter den Fluss hinauf in immer kleinere Seitenflüsse hinein und irgendwann verloren sich auch die letzten menschlichen Siedlungen im unendlichen Grün Amazonies.

In einem schwimmenden Bungalow übernachteten wir und wurden sanft in den Schlaf gewiegt. Tags darauf ging es mit dem Boot, andere Verkehrsmittel gibt es in dieser Wasserwelt nicht, in eines der Projektdörfer. Hier leben neben Indianern auch ehemalige Kautschuksammler, Goldsucher und sonstige Glücksritter. Es ist ein kleines Dörfchen mit ca. 100 Personen und eine ältere Frau führt uns herum. Die Einheimischen grüßen zwar höflich, interessieren sich aber eigentlich kaum für uns, denn heute ist Sonntag und Sonntag ist Fußballtag. Aus allen umliegenden Dörfern treffen Spieler samt Familien zum allwöchentlichen Turnier ein. Natürlich kommen alle mit Booten, weil es die einzige Möglichkeit ist. Das hiesige Dorf wurde als Austragungsort ausgewählt, da es etwas höher liegt und daher das Fußballfeld, zumindest größtenteils, noch aus dem Wasser herausragt. Viele der Zuschauer finden kein trockenes Plätzchen mehr um ihre Mannschaft anzufeuern....sie sitzen in ihren Booten mit denen sie an der Seitenlinie heran gepaddelt sind. Das Spiel ist hart, aber fair und immer wieder landet der Ball im Wasser. Einer der Spieler springt dann kurzerhand ins Wasser um ihn zu schnappen bevor er davon treibt.

Am Abend erlebten wir an einer seeartigen Verbreiterung des Flusses den tollsten Sonnenuntergang, den ich je sah. Die Sonne färbte den bewölkten Himmel in allen Farbschattierungen von rot, gelb und blau. Im ganz leicht bewegten Wasser spiegelten sich Himmel und Wolken wie in einem See aus Quecksilber. Am Horizont trennte eine schwarze Urwaldsilhouette das Schauspiel. Wir saßen dabei in einem kleinen Boot, aßen allerlei tropische Früchte, deren Namen wir nicht einmal kannten und genossen die kurze Abendvorstellung der Tropensonne.

Mit weiten Abstand das tollste Erlebnis ist allerdings unzweifelhaft das Kanufahren durch den Urwald. Der Fluss steht inzwischen so hoch, dass der Waldboden zwei bis drei Meter unter Wasser ist. Es gibt nun nur noch drei Fortbewegungsarten in dieser Wildnis. Fliegen, von Baum zu Baum klettern oder schwimmen. Wir entschieden uns für letzteres und glitten mit unseren Kanus lautlos durch das Unterholz, kleine Kanäle und vorbei an Urwaldriesen. Die Luft war meist erfüllt von respekteinflößenden Geschrei der Brüllaffen, nur selten drang ein Sonnenstrahl durch die dichte Blätterkrone, Moskitos drangen unbarmherzig und unentwegt auf uns ein und einige Male öffnete der Himmel seine Schleusen und setze uns, das Boot und den ganzen Wald vollendet unter Wasser.

...und genau hier... klatschnass, schwitzend, Stiche kratzend und leise all diese Moskitos verfluchend, wurde mir mit einem breiten Grinsen klar, dass ich mir hiermit einen Kindheitstraum erfüllt habe: Mit einem Kanu durch die Wälder Amzoniens fahren!

Fortsetzung folgt.  

 

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