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Tausende Oasen und das Paradies

 

Inzwischen sind wir schon über vier Monate in Brasilien unterwegs, rechnet man die Zeit in Marokko (unsere abgebrochene Orienttour) dazu, ist es ein knappes halbes Jahr. Wir freuen uns auf zu Hause, auf Familie, Freunde, gutes Bier und Essen, einen weniger chaotischen Tagesablauf und natürlich das sichten von circa 16.000 Fotos und knapp 16 Stunden HD-Videomaterial. Bevor wir allerdings Brasilien verlassen, wollen wir uns noch die einzige Wüste dieses Riesenlandes und die Traumstrände an der nördlichen Atlantikküste anschauen.

Lençois de Marranhenses nennt sich die Wüste an der nördlichen Atlantikküste Brasiliens. Lençois heißt Bettlaken und wie unzählige, riesige, weiße Bettlaken bauschen sich die Dünen der Wüste auch auf. Die Wüste grenzt direkt an den Ozean und man könnte sie daher auch für einen 40 Kilometer breiten Strand halten. Das einzigartige an dieser Landschaft sind die unzähligen Süßwasserlagunen die sich in nahezu allen Dünentälern azurblau ausbreiten. Man läuft durch den feinen, reinweißen Sand der Wüste, stapft durch den entgegen rieselnden Sand mühsam die Düne hoch und traut, oben angekommen, seinen Augen kaum: eine Lagune mitten in der Wüste. Obwohl wir so nah an der Küste des Atlantik  sind, ist in den zahllosen Oasen Süßwasser. Jetzt am Ende der Regenzeit ist der Grundwasserspiegel so hoch, dass sich für einige Wochen diese unwirklichen Lagunen bilden. Die sengende Hitze der Tropensonne wird allerdings den Löwenanteil der Gewässer wieder austrocknen. Ein paar wenige Lagunen, wie beispielsweise die Lagoa de peixe, führen ganzjährig Wasser und hier gibt es dann sogar Fische mitten in der Wüste.

Die Einzigartigkeit und die Schönheit dieser Landschaft locken inzwischen zahlreiche Touristen in die kleinen Ortschaften der Umgebung. Es wurde auch ein Nationalpark ausgerufen und man bemüht sich mit Initiativen ein Umweltbewusstsein von Einheimischen wie Touristen zu entwickeln. Es bleibt zu hoffen, dass all dies hier mehr fruchtet als in zahlreichen anderen Regionen des Landes.

Unsere tatsächlich letzte Station ist ein Dörfchen namens Jericoacoara. Jeri, wie der Ort in Kurzform genannt wird, genießt im Kreis von Rucksacktouristen einen nahezu legendären Ruf. Irgendwann entdeckten ein paar Hippies auf der Suche nach dem Paradies dieses kleine, äußerst abgelegene Fischerdörfchen. Die Einheimischen belächelten, aber tolerierten die Neuankömmlinge und so entwickelte sich eine richtige Hippiekolonie die bald auch „andere“ Reiselustige anlockte. Inzwischen lebt Jeri mehr vom Tourismus als von der Fischerei, hat aber seinen Charme definitiv erhalten können. Es gibt keine großen Hotels, nur Pensionen, keine geteerten Straßen, selbst die Hauptstraße ist wie ein Sandstrand, keine sichtbaren Stromleitungen, keine Zufahrtsstraßen, man kann nur per Jeep am Strand entlang oder aus dem Hinterland hierher kommen und auch die Fischer bringen täglich immer noch ihren Fang ein, um das Dorf zu versorgen.

Jeden Abend treffen sich fast alle Touristen und einige Einheimische auf der großen Düne, der „Sonnenuntergangsdüne“. Diese Düne ist nur wenige Minuten Fußweg vom Zentrum entfernt und liegt direkt am Meer. Allabendlich kann hier das tolle Naturschauspiel des Sonnenuntergangs genossen werden, während man genüsslich einen frisch zubereiteten Caipirinha trinkt. Hat die Sonne ihre Vorführung beendet, schlendern alle zurück zum Strand. Hier haben sich inzwischen schon einige Capoeira Tänzer eingefunden. Capoeira ist eine, in Brasilien entstandene, Mischform aus Tanz und Kampfsport. Zur charakteristischen, rhythmisch treibenden Musik der Trommeln und Berimbau beginnen die Tänzer nun zunehmend schneller und schneller, umeinander herum zu tänzeln. Mit sehr artistischen Sprüngen und Tritten versucht man den Gegner so nah wie möglich zu kommen, ohne ihn jedoch jemals zu berühren. Es geht um das „ich-hätte-dich-treffen-können“ niemals aber um „ich-habe-dich-getroffen“. Capoeira ist sicherlich die agilste, eleganteste und artistischste aller Kampfsportarten und sicherlich auch „effizient“ sollte sie mal „scharf“ eingesetzt werden.

Spätestens jetzt hat jeden im Ort das brasilianische Lebensgefühlt gepackt. Man geht noch in eine der vielen Bars, Tanzlokale oder am Strand eine Runde spazieren, bevor es dann irgendwann ins Bett geht. Tagsüber haben wie immer wieder lange Strandspaziergänge unternommen. Es sind unendliche, einsame Strände, schließlich sind es rund 50 Kilometer zur nächsten Siedlung. Jeri hat sich besonders mit seinen malerischen Sonnenuntergängen bei uns als tropisches Strandparadies festgesetzt.

Für uns heißt es nun allerdings zurück Richtung Heimat. Von all den neuen Eindrücken und Erlebnissen werde ich einen neuen Vortrag zusammenstellen und vielleicht gibt es sogar ein Buch dazu…das wäre zumindest mein Traum.

Vielen Dank das Sie uns auf unserer Reise begleitet haben. Nächstes Jahr kann ich hoffentlich wieder von einer neuen Tour berichten. Ich halte Sie auf dem Laufenden und wünsche Ihnen alles Gute!  

 

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